GOTTHARDPASS

Heute stand die Etappe an, welche mir im Vorraus die meisten Sorgen bereitete. Ich habe die Alpen über den Gotthardpass überqueert. Nachdem ich gestern abend noch in einer abenteuerliche Fahrt von Haltebucht zu Haltebucht die Axenstrasse passiert habe, hatte ich etwas bedenken wie der Verkehr über den Gotthard wohl aussehen würde. Als ich morgens die erste Steigung anfahre bin ich aber zum Glück fast allein auf der Strasse. Ich stecke mir Ohrenstöpsel in die Ohren und dröhne los, zunächst noch im 3. Gang muss ich bald in den 2. zurück schalten und tuckere nun gemütlich mit 15 km/h in Richtung Andermatt. Dort nimmt der Verkehr zu doch die Strasse ist nun breit genug um ein halbes Auto zu überholen und es gibt genügend Haltebuchten. Die Menschen die ich passiere sehen mich aus einer Mischung aus Ungläubigkeit und Skepsis an. Sie wissen vermutlich besser was vor mir liegt. Nichts desto trotz tuckere ich stetig weiter bergauf. Hin und wieder fühle ich nach wie heiss mein Motor läuft aber die Ape kommt kaum ins schwitzen.

Kurz nachdem ich das Nordportal des Gotthardt Autobahntunnels hinter mir gelassen habe werde ich doch nervös, ein Schild meldet Baustelle, Wartezeit 15 min. Wenn schon Autos 15 min benötigen, wie lange brauche dann ich? Schaffe ich es in einer Ampelphase durch die Baustelle? Der Beginn der Baustelle liegt auch noch in einem Tunnel. Ich fahre rechts ran. Ein etwas verwundert blickender Bauarbeiter schaut mich an. „Schaff ich das da durch in einer Ampelphase?“ „Dass kommt drauf an wie schnell du bist“ Das klingt logisch. „Langsam.“ „Wie langsam?“ „Etwa 15 km/h“ „15??“ „15!“ Er wählt eine Nummer auf seinem Telefon. „Du chier schteht so a chischdle, der föhrt 15 kaaa em haaa, wartesch bis der durch isch, sichschn jo wenn er rus chommt.“ Ich warte auf Grün, hinter mir stehen etwa 15 Autos. Als die Ampel um schält warte ich bis das letzte Auto an mir vorbei ist und gebe Vollgas, aber Anfahren am Berg gehört nicht zu Haniballs Stärken. Ohne vom Gas zu gehen schalte ich mit schleifender Kupplung in den zweiten Gang und fahre ein paar Slalomkurven um „den Berg flacher zu machen“. Endlich kommen zwei flachere Meter als eine Rampe in die Baugrube führt und ich kann die Kupplung los lassen und komme auf Reisegeschwindigkeit. Die Bauarbeiter schauen komisch, ich versuche zu grinsen. Nach ein paar Kilometer die sich ganz schön lange anfühlen spuckt mich ein Tunnel am Ende der Baustelle aus. Kurz bevor ich oben bin biege ich auf die alte Passstrasse mit Kopfsteinpflaster ab. Endlich niemand mehr, der mir im Rücken hängt, ich bekomme Spass am Fahren und ein paar Radfahrer feuern mich an. Doch vermutlich wegen der dünnen Luft auf 2000m geht der Ape etwas die Puste aus und so tuckere ich irgendwann im ersten Gang bei Schrittgeschwindigkeit Richtung Pass. Oben angekommen mache ich ein paar Gipfefotos mit dem Passschild und fahre weiter in Richtung alte Passstrasse die durch das Tremola Tal führt.

Ich gebe mir gar nicht erst die Mühe einen Gang einzulegen, sondern löse einfach die Handbremse und rolle oder besser rumple über das Kopfsteinpflaster los. Die alte Passstrasse ist nicht nur völlig frei von Autos sondern der rauhe Strassenbelag bremst die kleinen Räder zusätzlich, so dass ich gemütlich mit einem grossen Grinsen in Richtung Airolo rumpel.

Als der Strassenbelag wieder in Asphalt übergeht mussich doch ganz schön Kraft Aufbringen um die Ape zu bremsen. Währnd ich im Aargau bergab noch Geschwindigkeitsrekorde über die Tachoanzeige hinaus aufgestellt habe bin ich nun kaum schneller als bergauf. Alle 5-10 min halte ich an, da meine Bremstrommeln heiss laufen. Ich kippe etwas Wasser darüber und wiederhohle das Spielchen die nächsten 20 km.

Man erkennt sofort, hier hat ein Apefahrer seine Bremsen gekühlt!

Als ich in Airolo ankomme bin ich guter Laune und da es noch früh ist beschliesse ich bin zum Laggo Maggiore durch zu fahren. Hier will ich morgen nach ein paar Trialspots suchen und etwas ausruhen, bevor ich die Po Ebene in Angriff nehme. Zumindest gibt es dort unzählige kleine Nebenstrassen die das Ape fahre wesentlich angenehmer machen sollten.

Bis dann Lucas

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